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 Portugal  zur Zeit meiner Kindheit

 

Infolge der desaströsen Beteiligung der jungen, seit 1910 portugiesischen Republik, auf Seiten der Alliierten im ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre putschte 1926 das Militär unter Gomes da Costa, hauptsächlich die zurückgekehrten Veteranen von Flandern, zu denen auch mein Opa – Vater meines Vaters – gehörte.

Salazar, Finanzminister 1928, gründete darauf 1930 die 'União Nacional', die faschistische Partei (bei der mein Opa auch Mitglied der ersten Stunde war), und Salazar war es auch, der 1932 nach dem Vorbild Mussolinis den 'Estado Novo' ausrief.

                                                   Wie in der 'Hitlerjugend' wurde die Jungend in der 'Mocidade Portuguesa'                                                                     faschistisch indoktriniert.

Ausschlaggebend für den Erfolg der 'korporativen Republik' waren die Lisboa 1966Lisboa 1966Beteiligung der katholischen Kirche Portugals und der Abschluss eines Staatsvertrages (Concordata), Eckpfeiler der Diktatur besonders durch ihre Pfadfinder und der 'Juventude Operária Católica' (Katholische Arbeiterjugend).

Im 2. Weltkrieg blieb das Regime 'neutral'.

Salazar hätte keinen Bürgerkrieg wie in Spanien riskiert, auch weil das 'anglophile' und 'germanophile' Lager sich in Portugal und in der Faschistenpartei die Waage hielten. Zwar wurden die Franco-Faschisten durch Salazars Schergen unterstützt, doch konnten, anders als in Spanien, viele Flüchtlinge des europäischen NS-Terrors (Juden, Kommunisten und andere) in Portugal Zuflucht finden, um nach Amerika zu gelangen. Mit der Fürsprache von nach Amerika entkommenen Flüchtlingen und den alten Verbindungen zu USA und England wurde Portugal dann Mitbegründer der Nato.

Der 'Estado Novo' nannte sich nun demokratisch, hielt Wahlen ab.

In Portugal und den afrikanischen Kolonien keimte die Hoffnung auf Demokratie und einen friedlichen Übergang zur Unabhängigkeit.

 

Diese zerbrach nach der Ermordung des Wahlsiegers der Opposition General Humberto Delgado 1958 durch das Regime im Jahr meiner Geburt. Und so riefen ab 1960 Organisationen der portugiesischen Kolonien zum bewaffneten Kampf für Unabhängigkeit auf – Angola, Guinea-Bissau, Mosambik, etc. Goa war 1962 schon von Indien annektiert.

Von 1962 an mussten alle portugiesischen Männer zwischen 16 und 42 für das Regime in den Kolonialkrieg ziehen, um, so wurden wir indoktriniert, die 'Terroristen' zu bekämpfen, ein portugiesisches 'Vietnam', das die gesamte portugiesische Gesellschaft zersetzte und bis zur 'Nelkenrevolution' und der Demokratisierung am 25. April 1974 andauerte.

Ein Großteil der jungen Portugiesen verweigerte, desertierte, wurde verhaftet oder floh, ab 1964 meistens nach Frankreich, 1968 auch mein älterer Bruder.

Nach der 1974er Revolution, weil die Eltern wie so viele Mitglieder der Faschistenpartei Angst vor Repressalien durch das neue Regime hatten, was sich später als unbegründet erwies aber für mich zu spät kam, musste ich die Familie 1975 zum Vater nach Deutschland bringen.

 

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